Aktuelles & Trends

Familieninsel Sofa.

, Mai 2, 2019

In beinahe jedem Zuhause steht eine, und oft freut man sich den ganzen Tag, abends darauf zu landen: Kaum ein Möbelstück ist in unserem Leben mehr präsent als die Couch. Sie ist häuslicher Mittelpunkt, Ort der Entspannung und hat es sogar zu einem eigenen Persönlichkeitsbegriff geschafft – dem Couch-Potato.

 

Dahoam sprach mit Bettina Hermann, Produkt- und Design-direktorin bei Rolf Benz, über Bedeutung und Wandel schöner Sitzgelegenheiten.

 

Die Marke Rolf Benz ist jedem ein Begriff – höchste Qualität made in Germany. Worauf kommt es bei gutem Sitzen an?
Sitzen ist nicht gleich Sitzen. Sitzen kann individuell sehr unterschiedlich in den Anforderungen sein. Es ist wichtig, mit dem Kunden zu klären, welcher Sitztyp er ist. Die einen wollen aufrecht sitzen, um zu lesen, die anderen wollen lümmeln. Die Anforderungen an Sitztiefe, Rückenhöhe etc. sind daher unterschiedlich. Ein Premiumhersteller muss für diese Anforderungen ergonomisch korrekte Lösungen anbieten. Unsere erfolgreichen Sofaprogramme bieten alle eine Auswahl an unterschiedlichen Sitztiefen, Sitzhöhen und unterschiedlichen Härtegraden im Komfort.

Das Wohnverhalten der Menschen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Haben sich dadurch auch die Wünsche der Kunden verändert? Bemerkt man auch da einen Trend oder sind es immer die gleichen Kriterien, wenn es um einen so wichtigen Gegenstand wie eine Couch geht?
Das Wohnen richtet sich heute mehr nach den individuellen Bedürfnissen der Bewohner – im Gegensatz zu früher, als das Wohnen noch stark repräsentativen Charakter hatte. Das Sofa ist zur Familieninsel geworden: Mal ist es der Arbeitsplatz, mal die Lümmelecke oder der Kommunikationsmittelpunkt. Darüber hinaus benötigen große Bildschirme einen großen Blickwinkel. Daher sind die Sofas, in welchen man sich zurücklehnen und lümmeln kann, heute sehr gefragt. Wände sind aus den modernen Architekturen verschwunden, sodass das Sofa häufig mitten im Raum steht und damit keine Hinter- und Vorderansicht hat. Durchbrochene Rücken machen das Sofa transparenter und begünstigen den Raumfluss. Aus meiner Sicht sind dies eindeutige Trends.

 

Das Sofa ist zur Familieninsel geworden: Mal ist es der Arbeitsplatz, mal die Lümmelecke oder der Kommunikationsmittelpunkt.
— Bettina Hermann

Dieses Jahr ist die Pantonefarbe namens CORAL sehr trendy. Inwieweit greift man solche fremdbestimmten Trendtöne bei den eigenen Entwürfen auf?
Wir haben bei Rolf Benz fest definierte Farbcodes, welche einerseits aus den Basisfarben wie zum Beispiel Silbergrau bis Anthrazit bestehen und andererseits den jeweiligen Trendfarben/Akzentfarben. Als Premiumhersteller ist es wichtig, elegante und langlebige Farbwelten artikelübergreifend in den Kollektionen abzubilden. Aber natürlich berücksichtigen wir aktuelle Farbtrends wie CORAL in selektiven Artikeln. Gekauft werden diese „trendigen“ Farben allerdings nicht auf den Sofabezügen, sondern auf Kissenbezügen oder Accessoires, welche auch häufiger ausgetauscht werden können.

Bleiben wir noch bei Trends. Dieses Jahr sah man auf der imm cologne wieder vermehrt gröbere Möbelstoffe wie Bouclé. Man sagt, dem Menschen fehlt durch die Digitalisierung unseres Lebens die Haptik. Wie sehen Sie das?
Generell sind Strukturen gefragt. Ich denke schon, dass das haptische Erlebnis sowohl bei Stoff als auch bei Leder ausschlaggebend für den Kaufentscheid ist. Ein Polstermöbel ist ein sehr emotionales Produkt, da spielt Haptik eine große Rolle. Durch die Zunahme von Allergien und auch des Interesses an Nachhaltigkeit achten die Kunden immer mehr auf die Qualität des Garnes oder der Lederhaut. Der Ort der Herstellung und der Herstellungsprozess werden immer wichtiger für den Kaufentscheid.

Worin liegt die größte Herausforderung im Möbeldesign?
Die Verbindung von Funktionalität und Emotion ist ausschlaggebend. Der richtige Komfort und die passende Ergonomie gepaart mit einem innovativen Design ist unser täglicher Antrieb. Die passende Technologie ist das Werkzeug dafür. Die Herausforderung ist, einerseits technologisch am Puls der Zeit zu sein und andererseits natürlich mit innovativen Designern gemeinsam die richtigen Möbelkonzepte zu entwickeln.

Wie kann man sich den Entstehungsprozess eines Sitzmöbels vorstellen?
Zuerst wird ein Briefing erstellt, welches aus der Analyse der eigenen Kollektion und aktuellen Trends entwickelt wird. Sobald das Design für dieses Produktkonzept entschieden ist, starten wir den Entwicklungsprozess.
Zuerst werden Programmumfang und Zielpreislage definiert. Danach wird das Produktkonzept wie Komfort, Oberflächen, Funktionen etc. definiert. Aus den 3D-Daten wird ein erster Prototyp erstellt, welcher Proportionen und ergonomische Fragen klären soll. Im Entwicklungsprozess bauen wir drei bis vier Prototypen je nach Innovationsgrad des Produktes. Der Bezug benötigt ebenso nochmals einige Prototypenphasen. Für jedes Produkt muss das passende „Kleid“ entwickelt werden. Dabei sind Nähte bzw. Schnittbilder und die Ziernaht genauso wichtige Aspekte wie das Design der äußeren Form. In Summe dauert die Entwicklung normalerweise etwa zehn bis zwölf Monate.